Soulfood – was ist uns unser Essen wert?

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Veröffentlicht von Judith Klein

Der erste Beitrag sollte vielleicht lieber ein hübscher Cupcake oder ein erfrischender Sommersalat sein… aber ich habe mich anders entschieden, weil es mir eine Herzensangelegenheit ist. Und weil es hier um Soulfood geht. Um Essen das der Seele gut tut und bestenfalls auch dem Körper.

Natürlich darf das Gericht auch mal mehr Fett beinhalten, oder von Kohlenhydraten nur so strotzen. Aber es sollte aus guten Zutaten bestehen. Ich bin sicher keine Gesundheitsfanatikerin (Sportfanatikerin sowieso nicht), aber ich bin davon überzeugt, dass wir uns mehr mit dem was wir jeden Tag zu uns nehmen beschäftigen sollten. Und das fängt beim Einkauf und der Auswahl der Lebensmittel an, geht bei der Zubereitung des Essens weiter und hört mit der Verdauung auf (ebenfalls ein sehr spannendes Thema, bestimmt gibt es dazu auch irgendwo einen Blog).

Die Deutschen geben für Essen so wenig Geld aus wie kein anderes Land in Europa. Warum wollen die meisten nicht in qualitativ hochwertige Lebensmittel investieren? Ich bin überzeugt davon, dass der Inhalt des Einkaufswagens im Grunde keine Frage des Verdienstes ist, sondern eine Lebenseinstellung. Viele Menschen geben ohne mit der Wimper zu zucken ihr Geld für Elektronik, Kleidung und andere Dinge aus, aber am Essen wird gespart. Warum ist das so? Schließlich füttern wir unseren Körper mit der Nahrung. Der Körper der so gut und lange wie es geht gesund sein soll. Den einen Körper den wir haben.

Wir sind erschrocken von Bildern aus der Massentierhaltung, wir kennen aus den Supermärkten nur noch gerade Gurken und fast gleichgroße und vor allem gleichförmige Äpfel und Tomaten. Und trotzdem greifen wir zu. Zumindest die meisten von uns. Kochen ist meiner Meinung nach der erste Schritt um ein Gefühl für Lebensmittel zu bekommen. Die Lebensmittel auswählen, sie riechen und beim Schneiden oder Waschen zu fühlen, veranlasst den ein oder anderen vielleicht zum Nachdenken: Wo kommt die Ananas her? Wie wächst sie eigentlich? (Habt ihr gewusst, dass eine Ananas 2 Jahre braucht bis man sie ernten kann? Und wie viele landen von den weit hergeflogenen Früchten dann im Müll nachdem sie 2 Jahre gebraucht haben um zu wachsen – aber das Wegwerfen von Essen ist ein Thema dem ich mich noch mal gesondert widmen möchte). Was kann man mit der Frucht denn alles machen? Dessert, Salate, Currys… und vielleicht beginnt man sich dann zu verlieben. In die Zutaten, in das Kochen, in Essen. Und vielleicht wird es so zur Herzensangelegenheit, zu Soulfood weshalb man andere Kaufentscheidungen trifft.

Ich würde mir wünschen, dass wir alle mehr Geld für gute Lebensmittel ausgeben. Dass wir Fleisch und Fisch bewusst auswählen und nicht in Massen essen. Dass uns Produktion, Herkunft und gegebenenfalls Haltung nicht egal sind und wir diese Faktoren bei unseren Kaufentscheidungen einbeziehen. Dass wir auch regional und saisonal essen und uns so zum Beispiel auf den Sommer und die herrlich aromatischen Erdbeeren besonders freuen und nicht durchgehend die weitgereisten und meist geschmacklosen Beeren essen. Oder wir legen die Sommererdbeeren ein und machen das Glas im Winter auf, wenn wir besonders große Lust darauf bekommen. Ist das nicht eine schöne Vorstellung?

Mit diesem Blog will ich einen kleinen Beitrag leisten, ich will für Essen, Kochen und für gute Zutaten begeistern. Meine Leidenschaft dafür teilen. Abschließend ist es mir aber wichtig zu betonen, dass hier kein erhobener Zeigefinger über den Zeilen schweben soll, dass auch ich manchmal Kaufentscheidungen treffe die ich im Nachhinein anzweifle oder bereue. Aber ich bin überzeugt davon, dass schon Kleinigkeiten etwas bewirken können: Eier (vom nahegelegenen Bauernhof) aus Freilandhaltung, reduzierter Fleisch- und Fischkonsum, Fleisch aus artgerechter Haltung, Fisch der nicht mit Antibiotika vollgepumpt oder vollkommen überfischt ist, Obst und Gemüse von Bauern aus der Umgebung (Ökokisten, Wochenmärkte) … diese Liste lässt sich beliebig erweitern.

Lasst uns gemeinsam unser Essen mehr wertschätzen. Die Umwelt, die Tiere, die Bauern, unser Körper und vor allem unsere Seele werden es uns danken. Ganz bestimmt!

Viel Spaß & lasst es euch schmecken,

Eure Judith

6 Kommentare

  1. Wundervoll geschrieben, du hast damit einfach nur so recht! In den letzten Jahren habe ich auch erst richtig angefangen Nahrungsmittel wertzuschätzen, auf Qualität, Herkunft und Inhalt zu achten – und nicht auf den Preis. Diese Wertschätzung ist in unserer Gesellschaft längst verloren gegangen, hauptsache viel, schnell und billlig. Aber mit unseren Blogs leisten wir kleine Beiträge und wenn nur ein, zwei Personen darüber mehr nachdenken, dann hat es sich doch schon gelohnt 🙂
    Lieben Gruß, Janine

    • Vielen Dank 🙂
      Heute habe ich einen neuen Beitrag über meine Gemüseretterbox hochgeladen. Kennst du dieses Konzept? Ich bin total begeistert!
      Du hast bestimmt recht damit, dass es sich schon lohnt, wenn nur eine Person mehr über das Thema nachdenkt und dann anfängt etwas zu verändern – sei es noch so klein.
      Liebe Grüße,
      Judith

  2. Hallo Judith,

    ich bin gerade durch Zufall auf deinen Blog gestoßen.
    Wir (meine Familie und ich) haben uns vor ein paar Jahren genau zu diesem Thema Gedanken gemacht und beschlossen mehr auf unsere Lebensmittel zu achten.
    Ich habe dann lange nach einem Bauern gesucht und kaufe nun seit zwei Jahren nur noch bei zwei Bauern unser Fleisch.
    Ich muss aber dazu sagen dass wir unseren Fleischkonsum enorm eingeschrengt haben.
    Beim Braumiller in Biburg, stehen die Tiere noch auf Hektar weiten Wiesen. Es wird dort noch selbst geschlachtet und auf artgerechte Tierhaltung geachtet. Man schmeckt es wirklich.
    Beim Braumiller gibt es Schwein, Rind, ab und zu ganze Gockel. Ebenfalls Kartoffeln und Eier. Preislich nicht teuer als jeder andere Metzger. Was die Leute oft nicht wissen.

    Der Schuster in Biburg hat hervorragendes Hähnchen und Pute.

    Was Obst und Gemüse betrifft muss ich mich auch noch mehr zusammenreißen. Da kaufe ich noch viel im Supermarkt. Ich werde sicher mal die von dir vorgestellte Kiste testen.
    Was bei uns hier am Land aber echt toll ist. Wir gehen noch Kartoffeln und Zwiebeln aufglauben, nachdem der Bauer geerntet hat. Der freut sich sogar sehr, dass die Reste nicht liegen bleiben und es macht echt Spaß. 😃

    Was mir noch fehlt, isst ein guter Fischhändler. Das eingefrorene Zeug im Supermarkt kann man ja nicht Essen. Deshalb gibt es kaum Fisch. Aber da finde ich sicher auch noch den richtigen Händler.

    Denke auch, dass sich jetzt nicht jeder gleich mega Umstellen muss und in München ist es sicher auch noch schwieriger, aber es wäre schon schön und wichtig wenn jeder wenigsten ein wenig mehr auf seine verwendeten Produkte achtet und nicht nur auf den Preis. Nimmt man ausgewählte Produkte und achtet man darauf nicht mehr so viel in die Tonne zu hauen, muss man meist nicht mehr Geld ausgeben.

  3. „…und vielleicht beginnt man sich dann zu verlieben. In die Zutaten, in das Kochen, in das Essen.“

    Ja, das wäre wirklich wünschenswert für alle von uns.
    Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich auf der Straße sehe, was die Menschen tagtäglich mit der größten Selbstverständlichkeit in sich hineinschaufeln. Ohne einmal innezuhalten und nachzudenken: „Wo kommt das her, was ich esse?“ „Ist das richtig, dieses Lebensmittel zu essen?“ „Gäbe es vielleicht eine gesündere Alternative?“ „Tue ich mir damit überhaupt etwas Gutes?“

    Ich freue mich aber über jeden, der inspiriert wird (vielleicht ja auch von uns?) und dann doch irgendwann beginnt, nachzudenken und sich genau diese Fragen zu stellen. Und vielleicht wird dieser Jemand dann auch ein Gutes-Essen-und-selber-kochen-Liebender. 🙂

    Ein toller und wichtiger Beitrag – danke dafür!

    Liebe Grüße
    Jenni

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